Dez 272013
 

Sterbebegleiter

Die Hilfe ehrenamtlicher Sterbebegleiter (ehrenamtliche Hospizler) unterscheidet sich wesentlich von der Hilfe Professioneller und der kostbaren Hilfe, die Angehörige leisten. Denn Sterbebegleiter lassen sich weder durch eine persönliche Beziehung zum Betroffenen leiten, noch durch Fachwissen oder wirtschaftliche Interessen. Ihr „Tun“ orientiert sich an einer (vom Ego befreiten) hospizlichen Haltung.

Wenn ich im Folgenden diese Haltung erkläre, so beschreibe ich deren Tugenden idealtypisch. Da keine Tugend der anderen überlegen ist, liste ich sie alphabetisch auf.

Die wichtigsten Eigenschaften ehrenamtlicher Sterbebegleiter

Vorweg sei gesagt, dass Sterbegleiter oder Hospizler keine „Übermenschen“ sind. Sie verkörpern diese Tugenden nicht, aber sie versuchen sich diesen Tugenden bei jeder Begegnung anzunähern. Es bedarf einer gründlichen Schulung, kontinuierlicher Supervision und Fortbildung, um diese Haltung nach und nach zu verinnerlichen.

Abschiedlich

Die Begleitung geschieht im Bewusstsein des Abschieds. Hospizler streben keine Freundschaft oder familiäre Bindung an, sie bleiben vorübergehender Gast im Leben des Betroffenen.

Absichtslos

Sterbebegleiter gehen davon aus, dass ihr DA sein ausreicht und sie keine Leistung erbringen müssen. Weder Ziel noch Zweck, sondern das Inne-halten (auch Aushalten) machen den Wert ihres Da seins aus. Man könnte also sagen, dass Hospizler nur der Absicht folgen, dem Geschehen, welches sie bei ihrer Begleitung vorfinden, ohne Absichten zu folgen.
Die Haltung der Absichtslosigkeit kann eine Dimension des Friedens sichtbar werden lassen, aus der viel Kraft für alle Beteiligten geschöpft werden kann. Sie ist daher in der Begleitung von elementarer Bedeutung!

Achtsam

Hospizler sind gegenwärtig. Sie versuchen aufmerksam den Augenblick mit seinem Geschehen und die beteiligten Personen wahrzunehmen.

Bedingungslos

Allein aus der Tatsache heraus, dass mitmenschlicher Beistand gebraucht wird, entscheiden sich ehrenamtliche Sterbebegleiter Schwersterkrankten und Angehörigen beizustehen. Ihr Zeitgeschenk ist an keine andere Bedingung als der der Bedürftigkeit geknüpft. Hospizler fragen also nicht, „hat dieser Mensch meine Unterstützung verdient?“ oder „empfinde ich diesen Menschen (zum Beispiel durch seine Religion) als mir zugehörig?“. Die Haltung der Bedingungslosigkeit ist für den Mitmenschen sehr wohltuend, denn sie bestätigt dessen Würde. Bedingungslosigkeit hat die Kraft inneren Frieden zu stiften.

Begrenzt

Hospizler helfen im Bewusstsein, dass ihr Angebot ein begrenztes ist. Der Rahmen steckt sich zunächst durch die eigenen Wünsche, Möglichkeiten und Fähigkeiten ab. (In welchem Umfang möchte und kann ich eine Zeitspende machen? Welche Aufgaben kann ich erfüllen, welche nicht?…). Zudem begrenzt die Rolle als Hospizler ihr Tun, welches zum Beispiel keine professionellen Arbeitsplätze gefährden darf. Die Unterstützung muss mit dem Auftrag des Betroffenen übereinstimmen. Das Angebot richtet sich auch nicht generell an Hilfsbedürftige, sondern an einen definierten Personenkreis und für einen definierten Zeitraum.

Empathisch

Ehrenamtliche Sterbebegleiter bringen die Bereitschaft und Fähigkeit mit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen. Sie versuchen das Befinden und die Situation emotional zu erfassen und darauf so einzugehen, dass sich der Betroffene verstanden und maximal wohl fühlt. Dabei bleibt der Hospizler authentisch.

Herzlich

Herzlichkeit ist eine grundlegende Haltung vom Hospizler. Die Beziehung zwischen Notleidenden und Sterbebegleitern erreicht so oft eine intensive Nähe und große Tiefe.

Laienhaft/ unwissend

Ungeachtet des eigenen Wissensstandes begegnen Sterbebegleiter Betroffenen auf Augenhöhe. Im Betroffenen sehen sie einen Experten, nämlich den Experten für das eigene Leben und Sterben. Die Hospizler begleiten dessen Suche und Wege. Sie bleiben „ratlos“ und handeln als Mitmensch im Auftrag des Betroffenen. Sie erfüllen seine Bedürfnisse auf die Art, wie es der Betroffene wünscht. Kann sich der Betroffene nicht mehr äußern, so dienen die Angaben der Angehörigen und professionellen Helfer als Leitfaden, ebenso wie die eigene Intuition und das wiederholte feinfühlige Erspüren von Bedürfnissen.

Offen

Hospizler lassen ihre Erwartungen an die Begegnung los. Sie sind offen für alles Unvorhergesehene. Sie stellen sich flexibel auf das ein, was sie vorfinden und greifen momentane Bedürfnisse auf.

Respektvoll

Sterbebegleiter bringen ihre grundlegende Wertschätzung und Achtung allen beteiligten Personen und Institutionen im Geschehen entgegen.

Uneigennützig

Es ist zutiefst erfüllend, ehrenamtlich tätig zu sein. Dennoch verfolgen Hospizbürger im konkreten Tun keine eigennützigen Ziele oder Interessen. Auch haben sie keine persönlichen Erwartungen an den Besuchten, so wie Dankbarkeit oder das Signal „ich brauche, dass du mich brauchst“ oder Anerkennung irgendwelcher Art. Ehrenamtliche Sterbebegleiter bieten ihre Unterstützung im umfassenden Sinne kostenfrei an.

Unparteilich

Hospizler begleiten häufig nur eine Person eines sozialen Gefüges. Ihre Unterstützung bedeutet, dass sie zum Verbündeten der Wünsche und Bedürfnisse des Betroffenen werden, aber nicht, dass sie zum Verbündeten gegen ein anderes Familienmitglied werden.

Wertfrei

Sterbebegleiter nehmen mit Interesse und wertfrei wahr, was ihnen begegnet. Bewertungen, wie gut, besser, erlaubt, nicht erlaubt, schön, hässlich, gut, böse… bleiben aus. Ohne Vergleiche oder Maßstäbe wird jede Person in ihrer Einzigartigkeit gesehen.