Apr 282014
 

ehrenamtliche HospizarbeitEhrenamtliche Hospizarbeit ist an keinen Ort gebunden. Entsprechend des Einsatzortes und dem „Ehrenamtsverständnis“ des Hospizträgers können die Aufgabengebiete recht unterschiedlich sein. Hospizarbeit findet in stationären Hospizen, in der Häuslichkeit, im Pflegeheim sowie im Krankenhaus, zum Beispiel auf einer Palliativstation, statt. Ebenso ist die aktive Mitarbeit im Hospiz- oder Förderverein fundamentale Hospizarbeit. Schließlich kann die Geldspende an einen Hospizverein auch einem hospizlichen Engagement zugerechnet werden! Im Folgenden werden naheliegende Aufgaben in der ehrenamtlichen Hospizarbeit benannt.

Ehrenamtliche Hospizarbeit im Stationären Hospiz

In stationären Hospizen sorgen ehrenamtliche Mitarbeiter auf vielerlei Ebenen für das Wohlbefinden der Gäste und ihrer Angehörigen. Sie begleiten die Gäste emotional oder leisten ihnen Gesellschaft, sie begrüßen Besucher am Empfang oder sorgen mit Einsätzen in der Hauswirtschaft für besondere Zuwendung bei der Essenszubereitung und schaffen im Haus und Garten ein schönes Ambiente. Auch das Ausrichten von Festen, das Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung bei Bürotätigkeiten gehören dazu.

Beispiele:

Susanne V. begleitet Gäste und besucht diese mindestens zweimal wöchentlich für 1-2 Stunden. Sie hört zu, wenn die Gäste aus ihrem Leben erzählen. Sie bietet stille Gesellschaft und Körperkontakt an, wenn Sprechen schwer fällt oder nicht gewünscht ist. Genauso ist sie offen für Gespräche über Alltägliches. Sie unterstützt die Gäste bei kleinen Erledigungen, begleitet sie nach draußen oder liest auf Wunsch vor. Ihre Begleitungen dauern in der Regel zwischen einer und 20 Wochen.

Volker Z. kann nur einmal wöchentlich unterstützen. Marianne P. möchte nicht in der Sterbebegleitung tätig sein. Daher begleiten beide keine Gäste. Marianne P kommt einmal wöchentlich ins Hospiz, um dort einen Kuchen nach Wunsch der Gäste zu backen. Außerdem unterstützt sie bei Festen. Volker Z. sitzt Sonntags vier Stunden am Empfang und hilft den Besuchern dabei, sich im Hospiz zurecht zu finden.

Ambulanter Hospizdienst: Sterbebegleitung in der Häuslichkeit

Ehrenamtliche Hospizler begleiten tödlich Erkrankte, Angehörige oder sonstige Unterstützer, wie Freunde oder Nachbarn. Sie stehen auch Paaren oder ganzen Familien bei. Dadurch treffen sie auf vielfältige Wünsche und Aufgaben. Mal steht der emotionale Beistand und mal die tatkräftige Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags im Vordergrund. Gespräche haben also genau so viel Raum wie Sitzwachen zur Entlastung der Angehörigen, Kinderbetreuung, Unterstützung im Haushalt oder die Begleitung nach draußen, zum Beispiel zum Arzt oder zum Spazierengehen. Nicht immer kann ein Hospizler allen Beteiligten gerecht werden. Dann können in ein und der selben Familie auch zwei oder drei Hospizler tätig werden (Tandembegleitung).

Auch bei einer Mitarbeit im ambulanten Hospizdienst gilt, dass das Ausrichten von Festen, das Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung bei Bürotätigkeiten zum Ehrenamt gehören können.

Beispiele:

Petra B. begleitet die Familie C. meist 1-mal wöchentlich für 3 Stunden. An einem festen Termin leistet sie dem bettlägrigen Herrn C., Gesellschaft. Sie führen Gespräche oder schauen Fotoalben an. Manchmal liest Petra B. Herrn C. aus der Zeitung vor. Wenn Herr C. erschöpft ist, sitzt sie still an seinem Bett. Frau C. nutzt die Besuche von Petra B., um ihre Einkäufe zu erledigen, zum Friseur zu gehen oder sich mit einer Freundin zu treffen. Zusätzlich kommt Petra B., wenn Frau C. Arzt- oder Behördentermine hat. Nach 10 Wochen stirbt Herr C. Petra B. unterstützt Frau C. noch auf der Beerdigung und verabschiedet sich danach.

Horst S. besucht 1-mal wöchentlich für 2-4 Stunden Familie K. Er unterstützt die erkrankte Ehefrau in der Bewältigung des Alltags. Mal bittet sie ihn darum einen Einkauf zu tätigen, die Blumen zu gießen oder ein Gericht zu kochen. Mal bittet sie ihn auch mit einem Kind für eine Klassenarbeit zu üben oder einen Behördengang zu übernehmen. In den letzten Lebenswochen, mit Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, verändern sich ihre Wünsche. Zunehmend sucht sie nun das Gespräch mit ihm. Horst S. besucht die Familie 7 Monate, bis zum Ableben von Frau K.

Christine T. wird angefragt, ob sie spontan Sitzwachen übernehmen kann. Die Erkrankte, Frau A., ist sehr unruhig und vermutlich in den letzten Lebenstagen angekommen. Die Lebenspartnerin droht zusammenzubrechen. Christine T. versucht ihre privaten Termine zu verlegen. Sie besucht das Paar noch am selben Tag, um sofort ein entlastendes Gespräch anzubieten. In den nächsten Tage bietet sie Sitzwachen von 1 bis 3 Stunden an. Nach 3 Besuchen verstirbt Frau A. Da die Lebenspartnerin nur wenige soziale Kontakte hat, unterstützt Christine T. sie mit 6 nachfolgenden Gesprächen verteilt über die nächsten drei Monate.

Ambulanter Hospizdienst: Sterbebegleitung im Pflegeheim

Im Pflegeheim unterstützen Hospizler oft Hochbetagte, die mit großen gesundheitlichen Einschränkungen leben müssen. Liebevolle Gesellschaft, Gespräche, Vorlesen, kleine Handreichungen oder Erledigungen, wie auch die Begleitung zu einem Spaziergang, können jetzt die Lebensqualität erheblich verbessern. Hospizler werden auch akut angefragt, wenn Pflegeheimbewohner im Sterben liegen. Je nach den Wünschen der Sterbenden leisten sie anteilnehmende und stille Sitzwachen, bieten Körperkontakt, Gebete oder Lieder an und stehen betroffenen Angehörigen mit Gesprächen zur Seite. Die Unterstützung der Pflegekräfte gehört nicht zum Ehrenamt Hospiz dazu.

Beispiele:

Herbert D. besucht Frau M. 1-mal wöchentlich. Als er Frau M. kennenlernt, ist sie hochbetagt und sehr schwach. Sie leidet unter Herzschwäche und Atemnot. Meist ist sie zu schwach, um das Bett zu verlassen. Im Gespräch blickt Frau M. gerne auf ihr Leben zurück. An „guten Tagen“ begleitet Herbert D. Frau M. mit dem Rollstuhl auf die Dachterrasse des Pflegeheims. Hier genießt Frau M. die frische Luft und den Ausblick. Was zu Beginn nach einer kurzen Begleitung aussieht, entwickelt sich zu einer Begleitung von 18 Monaten, bis Frau M. verstirbt.

Marianne P. hat durch ihre ruhige und zuversichtliche Art ein besonderes Talent Menschen im Sterbeprozess zu begleiten. Wenn Pflegeheimbewohner im Sterben unruhig sind oder zu leiden scheinen, wird sie oft um eine Sitzwache gebeten. Hier begleitet sie durch stille Anteilnahme und Mitgefühl. Je nach ihrer Intuition hält sie eine Hand, summt oder singt sie Lieder, spricht Zuversicht zu oder erzählt dem Sterbenden, was sie auf den Fotos sieht, die sie im Zimmer findet. Ihre Begleitungen sind oft nach ein bis drei Besuchen beendet.

Ehrenamt im Krankenhaus

Auf vielen Palliativstationen arbeiten ehrenamtliche Helfer, die beispielsweise Patienten Gesellschaft anbieten, kleine Erledigungen für diese übernehmen oder in der Essensausgabe unterstützen. Auch sorgen sie für ein schönes Ambiente auf der Station. Manche begleiten Patienten weiterhin, wenn diese aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen werden. Die „Grünen Damen“ seien hier ebenfalls erwähnt. Ihr Ehrenamt besteht darin, in Krankenhäusern Patienten zu besuchen. Auch wenn sie in der Regel nicht für die Sterbebegleitung geschult sind, leisten sie einen wertvollen Dienst, in dem sie zum Beispiel Gesellschaft anbieten oder Lesestoff organisieren.

Mitarbeit im Hospiz-oder Förderverein

Die Mitarbeit in einem Hospizverein oder einer vergleichbaren Organisation bietet viele Betätigungsfelder! So gilt es Spendengelder zu akquirieren, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und Veranstaltungen und Feste zu organisieren. Je nach Aufbau der gemeinnützigen Organisation kann die Interessenvertretung der Einrichtung wie auch die Vertretung der Bürgerinteressen gegenüber öffentlichen Entscheidungsträgern zu den Aufgabenfeldern gehören.

Ehrenamtliche Hospizarbeit kann also sehr vielfältig sein.