Jan 062014
 

Frage:

Hallo,

mein Mann leidet an einem Lungentumor. Nach seiner Operation war er zunächst einfach nur schwach und etwas verwirrt. Doch nun wird er zunehmend unausstehlich. Ich verstehe, dass er es nach 3 Wochen Krankenhaus kaum noch aushält dort zu sein. Doch er hat an gar nichts mehr Freude und sieht alles schwarz. Was ich ihm erzählen möchte, interessiert ihn nicht mehr und er beschimpft mich sogar. Den Krankenschwestern gegenüber ist er manchmal richtig fies. Das kenne ich nicht von ihm und ich verstehe sein Verhalten auch nicht. Ich habe schon kaum noch Lust ihn zu besuchen und fürchte seine baldige Entlassung. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll!

Antwort:

Liebe Frau M.,

verständlicherweise sind Sie durch die aggressiven Angriffe Ihres Mann verunsichert, verletzt und ratlos und fühlen sich der anstehenden Krankenhausentlassung nicht gewachsen.

Wenn die Ursache seiner Persönlichkeitsveränderung bekannt ist, gewinnen Sie wieder an Sicherheit im Umgang mit ihm und dann kann der seelische Schmerz Ihres Mannes angemessenen gelindert werden. Aus meiner Sicht wäre zunächst ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt notwendig, der zum Beispiel abklären kann, ob Therapienebenwirkungen oder seelische Ursachen zu der erhöhten Erregbarkeit oder der depressiven Grundhaltung Ihres Mannes führen.

Grundsätzlich gesprochen verstecken sich hinter Aggressionen oft Ängste, die aus Scham oder Verunsicherung nicht mitgeteilt werden. Auch Trauer, nicht am alltäglichen Leben teilnehmen zu können oder nur noch begrenzte Lebensmöglichkeiten zu haben, versteckt sich oft in Wut oder Depression.

Manchmal schonen Schwerkranke ihre Angehörigen, in dem sie sie mit den eigenen Gefühlen nicht belasten. Dann wäre es günstig zu signalisieren, dass Sie gut für sich selber sorgen können und bereit sind, schmerzhafte Wahrheiten zu hören.

Wenn Angehörige sich selber unterstützen lassen, ist dies oft eine große Entlastung für die Erkrankten. Sie wissen nun, mein geliebter Angehöriger sorgt gut für sich selber. Unterstützung finden Sie beispielsweise in Beratungsstellen, in Selbsthilfegruppen und bei Psychoonkologen oder in Hospizvereinen. Nicht selten holen sich auch Erkrankte Hilfe, wenn sie sehen, wie gut ihren Angehörigen eine solche Unterstützung tut.