Feb 102014
 

Sterbende begleitenWorauf können Helfer und Angehörige achten, wenn sie schwer Erkrankte und Sterbende begleiten und unterstützen möchten? Worauf können Trauerbegleiter achten, wenn sie Hinterbliebene besuchen und trösten wollen? Diese Tipps richten sich an Angehörige, ehrenamtliche Hospizler und alle Helfer.

Tipps für Menschen, die Sterbende begleiten

Nehmen Sie sich mit allen Gefühlen, auch den unbequemen, ernst!

Wenn Sie sich unzulänglich oder verunsichert fühlen, akzeptieren Sie diese Gefühle und versuchen Sie sich zu verstehen. Gehen Sie davon aus, dass Ihre Gefühle Ihnen wertvolle Informationen liefern. Aus ihnen können Sie erkennen, was Sie und der, dem Sie helfen wollen, wirklich möchten und brauchen.

Versuchen Sie, Ihre eigenen Grenzen zu akzeptieren!

Der Wunsch, umfassend zu helfen und für Trost und Erleichterung zu sorgen, ist oft größer als die Möglichkeit dazu. Niemandem ist damit geholfen, wenn Helfer deswegen Schuldgefühle entwickeln. Allen ist aber geholfen, wenn es gelingt weitere Unterstützer mit einzubinden.

Machen Sie sich bereit, selbstkritisch Ihr Tun anzuschauen!

Begleiten Sie Sterbende, werden Sie sich auch Ihrer eigenen Endlichkeit bewusst. Heftige Gefühle wie Wut, Angst oder Trauer könnten aufkommen. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Reaktion verstehen und einordnen können. Erst dann können Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder dem Betroffenen zu wenden.

Bleiben Sie in Ihrem Hilfsangebot flexibel!

Einmal geäußerte Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle können schnell wechseln. Vergewissern Sie sich bei jeder Begegnung, ob die Art, in der Sie für den andern da sind, wohltuend ist. Ihre Nachfrage ist ein wesentlicher Beitrag für Vertrauen und Offenheit in der Beziehung.

Lassen Sie eigene Vorstellungen los. Nehmen Sie sich zurück!

Wenn Sie einen Rat erteilen, machen Sie sich erst bewusst, dass die Menschen, denen Sie hilfreich zur Seite stehen, andere Möglichkeiten, Bedürfnisse, Ziele und Wertvorstellungen haben als Sie.

Lassen Sie sich verunsichern!

Helfen bedeutet, sich behutsam auf Begegnungen mit Menschen in schwierigen Lebenslagen einzulassen und zunächst nicht zu wissen, was für den anderen gut, richtig und angemessen ist.

Vertrauen Sie dem Betroffenen!

Jedes Leben und Sterben ist einzigartig. Vertrauen Sie darauf, dass die anderen ihren eigenen Weg im Leben, im Abschied und im Sterben suchen und finden werden.

Vertrauen Sie sich selbst!

Pflegende und begleitende Angehörige und Sterbebegleiter wachsen über sich selbst hinaus. Im Verlauf der Begleitung werden Sie Ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten neu entdecken und erweitern.

Halten Sie inne!

Gerade, wenn die Not besonders groß ist, kann der Impuls sofort zu Helfen sehr mächtig sein. „Im Leid bleibe ich an deiner Seite“. Dieses besonders wertvolle Versprechen kann bei der Suche nach schnellen Lösungen und im spontanen Handeln verloren gehen. Ohne die Bereitschaft unvermeidbares Leid mit dem Betroffenen auszuhalten, kann eine Sterbebegleitung nicht gelingen.

Warten Sie auf einen Auftrag!

Handeln Sie erst, wenn Sie einen klaren Auftrag von dem Betroffenen erhalten haben und das Was, Wann, Wie kennen.

Sorgen Sie auch für Ihre eigenen Bedürfnisse!

Fragen Sie sich: Was tut mir gut? Woraus schöpfe ich Kraft? Planen Sie regelmäßige Pausen und „Inselzeiten“ ein.

Holen Sie sich Unterstützung!

Sterbebegleitung gehört nicht auf zwei Schultern. Sterbebegleitung ist eine gemeinschaftliche ja sogar gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Konkret bedeutet das: Nicht nur Hilfe anbieten, sondern sich selber auch Unterstützung holen! Offene Türen finden Sie bei Freunden, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen.

Erwarten Sie für Ihre Hilfe keine Gegenleistung!

Seien Sie bereit zu einem wirklichen Geschenk, das Sie aus freien Stücken und mit offenem Herzen anbieten. Lassen Sie die Erwartung los, der andere müsse ihr Geschenk (dankbar) annehmen. So respektieren Sie die eigene Freiheit und die des anderen. Und Sie erleben das große Glück, ein (wirkliches) Geschenk machen zu können.

Bleiben Sie in Ihrer Rolle!

Begleiten Sie als freiwilliger Helfer oder als ehrenamtlicher Sterbebegleiter sind Sie „nur“ vorübergehender Gast im Leben des anderen. Sie können keine Familienmitglieder oder Freunde ersetzen. Gehen Sie eine dauerhafte Bindung ein, geraten Sie in einen Trauerprozess, der Ihnen weiteres hospizliches Helfen erschweren oder unmöglich machen wird.

Machen Sie sich bereit, Abschied zu nehmen!

Begleiten wir einen Menschen im Sterben oder in der Trauer, erreicht die Beziehung sehr schnell eine besondere Intensität, Herzlichkeit und Tiefe. Die letzte gemeinsame Zeit kann daher besonders kostbar sein! Sie erleichtern Sterbenden das Abschiednehmen, wenn auch Sie sich bereit machen, loszulassen.