Okt 072013
 

Wann wird die Überlegung von der Wohnung ins Hospiz umzuziehen dringend?

Die Überlegung, von der Wohnung ins Hospiz umzuziehen, wird dann dringend, wenn Schwersterkrankte unter beängstigenden und belastenden Krankheitssymptomen oder unter sozialer Isolation leiden. Bei zunehmender Hilfs- oder gar Pflegebedürftigkeit kann es auch sein, dass sich die räumlichen Gegebenheiten in der eigenen Wohnung als ungünstig erweisen (Treppen die zu bewältigen sind, Schlafzimmer, in die kein Pflegebett passt…). Auch kann die umfassende Versorgung in der Wohnung finanzielle Mittel erfordern, die nicht immer vorhanden sind. Ein häufiger Wechsel von Helfern und Pflegekräften oder häusliche, familiäre Unruhe und Disharmonie kann sehr belastend sein.

Professionelle Hilfe

Wenn professionelle spezialisierte Helfer, wie Palliativ Care Pflegekräfte, Schmerztherapeuten und Hausärzte, zum Beispiel eines SAPV-Teams (Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgung,) im Alltag wie im Notfall nicht zur Verfügung stehen, sind der Erkrankte, seine Familie und die Laienhelfer (ehrenamtliche Hospizler, Nachbarn, …) fachlich schnell verunsichert und überfordert. Dieser Umstand führt nicht selten zu Fehlentscheidungen und in der Folge zu wiederkehrenden Krankenhauseinweisungen. Krankenhausaufenthalte am Lebensende können für den Erkrankten aber auch für die Abschied nehmenden Angehörigen außerordentlich belastend sein.

Umzug ins Hospiz

Angehörige

Auch wenn Familienmitglieder und Freunde selbst viel Kraft und Zuspruch brauchen, um den Abschied und ihre Trauer zu bewältigen, wachsen sie in der Fürsorge für den Erkrankten und in der Sterbebegleitung meist über sich selbst hinaus. In der Begleitung des Erkrankten legen sie ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten frei. Im Abschied wird oft erkannt, was wirklich wichtig im Leben ist. Mut, Liebe und Vergebung aussprechen kann ebenso gefunden werden wie der Mut zur Offenheit aller Gefühle und Wünsche.

Dadurch kann sich eine Beziehung noch einmal auf kostbare Weise vertiefen. So wird die traurige Zeit des Abschieds nicht selten auch als schön und bereichernd erlebt. Daher ist es ganz besonders tragisch, wenn das familiäre und soziale Helfernetz durch Überforderung zusammenbricht und das Miteinander gefährdet!

Gefahr droht, wenn

  • die Begleitung sehr lange andauert und/oder Helfer keine Phasen der Erholung haben, in denen sie neue Kraft tanken können;
  • das Helfernetz zu klein ist, nicht jedes benötigte Talent vorkommt und die vielfältigen Aufgaben auf zu wenigen Schultern lasten;
  • weitere Probleme, wie ungelöste Familienkonflikte oder finanzielle Sorgen den Abschied überschatten und das Helfen erschweren;
  • der Krankheitsverlauf dramatisch und unberechenbar ist und die Helfer damit emotional überfordert sind;
  • Angehörige den Verlust eines geliebten Menschen nicht verkraften und ihre Trauer nicht verarbeiten können;
  • wenn Helfer im eigenen Leben ebenfalls stark gefordert sind, zum Beispiel im Beruf oder Familie, durch eigene Krankheit oder Pflegebedürftigkeit (was bei älteren Ehepartnern nicht selten vorkommt), und sie von der Vielfalt der Aufgaben und Notwendigkeiten aus dem Gleichgewicht geraten;
  • schließlich dem Helfer auch keine Kraft mehr bleibt, liebevoll Abschied zu nehmen. Dann kann fatalerweise die vermutlich kostbarsten Güter, nämlich die eigene Gesundheit und die Beziehung zum Erkrankten, gefährdet werden. Hier kann der Umzug in ein Hospiz ein großer Segen sein!

Ein Umzug in ein Hospiz sollte bei der Planung der Versorgung also immer als eine Möglichkeit angedacht werden.